Hallux valgus - Wenn der Schuh drückt

Der Hallux valgus wird auch als Schiefzehe bezeichnet und ist durch krankhafte Deformationen des Fußes gekennzeichnet.

Dem Hallux valgus liegt eine Abweichung des Großzehengrundgelenks (Articulatio metatarsophalangea) in Richtung des äußeren Fußrands zu Grunde, die in den meisten Fällen durch eine Fehlstellung des ersten Mittelfußknochens ausgelöst wird, sowie eine Rotation des Großzehs in Richtung des kleinen Zehs.

Der Hallux valgus ist die häufigste Zehendeformität beim Menschen.

Charakteristisch ist eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen (zur Kleinzehe hin) und eine Drehung der Zehe (Rotation). 
Häufig kommt es im weiteren Verlauf des Hallux valgus zu einer schmerzhaften Arthrose (Gelenkverschleiß) bis hin zur kompletten Einsteifung.

Faktoren, die zur Ausbildung eines Hallux valgus führen können:

  • Allgemeine Bindegewebesschwäche
  • Spreizfuß
  • Mechanische Einwirkungen (spitze, hochhackige Schuhe)
  • Genetische Ursachen (Vererbung) 

75% der Betroffenen sind Frauen.

Von einem Hallux valgus sind hauptsächlich Frauen betroffen. Dies liegt zum einen daran, dass Frauen insgesamt ein schwächeres Bindegewebe haben, als Männer und zum anderen an der Auswahl der Schuhe. Hohe, schmale Schuhe, die vorn spitz zulaufen, gewährleisten keine natürliche Stellung der Füße. Durch Druckstellen und falsche Belastung kann auch hierdurch ein Hallux valgus entstehen.

Ursachen

Dem Hallux valgus können neben der erblichen Veranlagung auch weitere mögliche Ursachen zu Grunde liegen.

In einigen Fällen sorgt ein sogenannter Spreizfuß, also ein Fuß, bei dem die Mittelfußknochen stark auseinanderweichen, für die Entstehung eines Hallux valgus.
Diese Tatsache ist darin zu begründen, dass es durch die Fehlstellung der Mittelfußknochen zu einem Einsinken des vorderen Quergewölbes kommt, im Zuge dessen verbreitert sich der Bereich des Fußballens und es folgt eine Mehrbelastung der Großzehe.

Als Mitursache gilt auch ungeeignetes, falsches Schuhwerk.

Vor allem Schuhe mit hohen Absätzen können diese Deformation der ersten Zehe auslösen. 
Aus diesem Grund sind Frauen deutlich häufiger von einem Hallux valgus betroffen als Männer. Doch nicht bloß die Höhe des Absatzes, sondern auch die Enge der Schuhspitze wirkt sich negativ auf die Belastung und letztendlich die Stellung des Fußes aus.

Außerdem lässt sich ein enger Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines Hallux valgus und einer allgemeinen Bindegewebsschwäche der betroffenen Patienten feststellen.

Bei vielen Betroffenen lässt sich das Auftreten dieser Zehenfehlstellung jedoch auch durch ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Muskelzügen des Fußes, welches durch fehlendes Training der Muskeln entsteht, erklären.

Hallux valgus Prävention

Um einem Hallux valgus gezielt vorzubeugen, ist es wichtig, die zu Grunde liegenden Ursachen zu kennen.

Bei der Wahl der Schuhe sollte deshalb stets darauf geachtet werden, dass diese genau passen und nicht zu klein oder zu eng sind.

In der heutigen Zeit ist es natürlich für die meisten Frauen unvorstellbar komplett auf das Tragen hoher Schuhe zu verzichten. Dennoch muss darauf geachtet werden, den Fuß ideal zu belasten.

  • Dies bedeutet, dass Schuhe mit hohen Absätzen nicht zum täglichen Schuhwerk gehören, sondern lediglich zu bestimmten Anlässen getragen werden sollten.
  • Vor allem das Tragen von abwechslungsreichem Schuhwerk kann einer Fehlstellung durch die hohe Anpassungsfähigkeit des Fußes vorbeugen.
  • Darüber hinaus helfen das Barfußlaufen und gezielte Übungen der Fußmuskulatur dabei, keinen Hallux valgus entstehen zu lassen.

Symptome

Bei den meisten Betroffenen verursacht ein Hallux valgus anfangs keinerlei Probleme.

Im Allgemeinen lässt sich auch nicht am Ausmaß der Deformation ausmachen, ob und in wie weit der einzelne Patient eingeschränkt ist und/ oder Fußschmerzen hat.

Der Hallux kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Schmerzen unter dem Mittelfuß der 2. - 4. Zehe
  • Rötung / Ballenbildung
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Steifheit
  • Seitenabweichung / Rotation

Hallux Valgus und seine Folgen

Schmerzen

Schmerzen treten beim Hallux valgus auf Grund mehrerer Ursachen auf:

Zunächst führt die Fehlstellung der Zehe zu einer Fehlbelastungen des kompletten Fußes. Da die schmerzende Großzehe willkürlich oder unwillkürlich weniger stark belastet wird, wird auf die restlichen Zehen am Fuß ein höherer Druck ausgeübt, auf welchen diese nicht eingestellt sind. So können sich die Schmerzen von der Großzehe auf den gesamten Fuß ausbreiten.

Ein Hallux valgus geht auch stets mit einer Verbreiterung des Vorfußes einher. Diese Verbreiterung führt dazu, dass Schuhe, die bis vor kurzem noch gepasst haben nun plötzlich drücken und schmerzen.

Nun beginnt gewissermaßen ein Teufelskreislauf, da durch den erhöhten Druck die Symptomatik weiter verschlechtert wird. Die Haut und das darunterliegende Gewebe sind mit vielen feinen Nervenfasern durchzogen, die bei Druckbelastung kontinuierlich Schmerzimpulse an das Gehirn senden. Der Fuß schmerzt, sobald man Schuhe anzieht.

Des Weiteren scheuert der verbreiterte Fuß an der Schuhinnenseite, was zu Aufschürfungen und Aufreibung der Haut an der betroffenen Stelle führen kann. Diese bieten wiederrum eine hervorragende Eintrittsstelle für Bakterien und sonstige Erreger, was zu einer Entzündung führen kann. Eine Entzündung ist durch Schwellung, Rötung, Schmerzen, und Hitzegefühl gekennzeichnet.

Bei den Schmerzen handelt es sich um Druckschmerzen, die bei Entlastung so gut wie nie auftreten. Oft sind die Schmerzen so stark, dass Patienten dadurch stark in ihrem Bewegungsausmaß eingeschränkt werden und nur noch selten das Haus verlassen. In diesem Fall sind eine Schmerztherapie, z.B. mit NSAR (nicht steroidale Antirheumatika) und eine Vorstellung beim Arzt indiziert. Eines der bekanntesten NSAR ist Ibuprofen, aber auch Aspirin oder Diclofenac gehört zu dieser Wirkstoffklasse. Neben der Behandlung der Druckschmerzen ist auch eine Wundversorgung etwaiger Hautläsionen wichtig.

Hallux valgus - Schmerzen können allerdings auch maskiert sein, wenn ein Patient zusätzlich an einem Diabetes mellitus leidet: Ein Diabetes geht ab einem gewissen Stadium mit verminderten Schmerzempfinden in den Extremitäten einher. Das liegt an einer beginnenden Polyneuropathie, also einer Degeneration der Nerven- und Schmerzfasern im Fuß. Bei diesen Patienten ist besondere Vorsicht geboten, wenn sie das Schmerzsignal des Körpers nicht wahrnehmen können und den Hallux valgus weder schonen, noch behandeln lassen.

Daher gilt: Schmerzen sind zwar lästig, aber auch ein natürliches Signal des Körpers, dass etwas nicht „in Ordnung“ ist. Ein schmerzhafter Hallux valgus sollte möglichst früh ärztlich vorgestellt werden, da späte Verläufe meist mit einer OP enden.

Schleimbeutelentzündung

Durch die ständige Druckausübung auf den vorgewölbten Fußballen wird die Haut hier gereizt und kann sich entzünden. Dann ist diese Stelle gerötet und geschwollen. Bei dauerhaftem Druck bildet sich hier zunehmend Hornhaut. Auch der darunter liegende Schleimbeutel des Fußballens wird stark beansprucht und kann sich entzünden. Man spricht dann von einer Schleimbeutelentzündung, die in der Fachsprache auch Bursitis genannt wird. Diese ist sehr schmerzhaft.

Wird an diesem Zustand nichts geändert und es wird weiterhin unpassendes Schuhwerk getragen, so hat die Entzündung der Haut und des Schleimbeutels keine Möglichkeit abzuklingen. Die betroffene Stelle wird immer weiter gereizt und schwillt immer weiter an. Dieser Zustand kann dann bei dauerhafter Belastung in ein chronisches Stadium übergehen.

Zehfehlstellung

Wenn das Schuhwerk langfristig nicht angepasst wird und keine anderen Maßnahmen in Anspruch genommen werden, kann sich der Zustand des Hallux valgus zunehmend verschlechtern. Die Abweichung der Großzehe wird dann größer und auch die Vorwölbung des Fußballens nimmt ein größeres Ausmaß an. Dies kann in einem fortgeschrittenen Stadium so weit führen, dass der große Zeh sich über oder unter die zweite und dritte Zehe schiebt und auch hier Fehlstellungen verursacht. Das kann mit starken Schmerzen verbunden sein und außerdem kann hierdurch eine Krallenzehe entstehen. Durch die veränderte Druckbelastung bildet sich unter den Grundgelenken der Kleinzehen Hornhaut.

Arthrose

Sind zunehmend auch die kleinen Zehen betroffen, so hat das erhebliche Auswirkungen auf die Lastenverteilung und die Bewegungsabläufe des Fußes. Durch die falsche Verteilung des Gewichts und die erhöhte Beanspruchung der Gelenke, können hier Verschleißerscheinungen auftreten, die bis zur Arthrose führen können. Dann wird der Fuß zunehmend unbeweglicher und es treten Ruheschmerzen auf. Auch das Laufen verursacht dann immer stärkere Schmerzen.

 

Diagnose des Hallux Valgus

Die Ausbildung von Hammerzehen sind häufig beim Hallux valgus, ebenso wie die Entwicklung von Schmerzen im gesamten Vorfuß.

Eingeschränkte Bewegung

Neben sichtbarer Ballenbildung im Bereich des Großzehengrundgelenks  kommt es zunehmend auch zur Entzündung des Schleimbeutels mit Rötung und Schwellung, im weiteren Verlauf der Hallux valgus Entwicklung dann schließlich zu eingeschränkter Beweglichkeit bis hin zur kompletten Einsteifung des Grundgelenkes.

Neben der Anamnese führt die Untersuchung zur weiteren Differenzierung eines Hallux valgus.

Schmerzen und Beschwerden können sich durch verändertes Laufverhalten bis zum Kniegelenk oder gar zur Wirbelsäule ausweiten.

Vor allem die eingeschränkte Beweglichkeit in der Dorsalflexion und  Plantarflexion sind richtungsweisend. Oft geben die Patienten im Bereich des Großzehengelenkes gar keine größeren Schmerzen an, sondern berichten über Beschwerden im Bereich des vorderen Fußgewölbes. Dies ist meistens die Folge eines veränderten Laufverhaltens, indem der Fuß unbewusst so gehalten wird, dass die schmerzhafte Großzehe beim Abrollen entlastet wird. Es folgt dadurch eine Schmerzverlagerung in andere Gelenke bis hin zum Sprunggelenk und Kniegelenk. Nicht selten kommt es wegen des veränderten Laufverhaltens auch zu Rückenschmerzen.

Entscheidend für das Therapieverfahren ist der Zustand des Gelenkknorpels.

Erfolgt in 2 Ebenen: Unter Belastung im Stehen und seitlich. Im Röntgenbild werden die Länge und die Winkel der Fußknochen untereinander vermessen. Dadurch erhält der Operateur wertvolle Hinweise für die in Frage kommende Operationstechnik. Der Operateur macht sich ein Bild über die Beweglichkeit und erfasst die Schmerzpunkte.

Weiteren Aufschluss gibt dann evtl. noch eine Laufbandanalyse und eine Fußdruckmessung.

Therapiemöglichkeiten

Bei der Therapie des Hallux valgus muss zwischen einer konservativen (nicht- operativen) und einer chirurgischen Behandlung unterschieden werden.

In vielen Fällen kann eine konservative Therapie bei Hallux valgus Beschwerden helfen. Wenn die konservative Behandlung (Schuhe, Gymnastik, Fußpflege, Einlagen) keine  Linderung bringt, stehen dem erfahrenen Fußspezialist eine Vielzahl an operativen Möglichkeiten zur Behandlung der Hallux valgus Fehlstellung offen.

Konservative Therapie bei Hallux valgus

  • Druckentlastung
  • Bequeme Schuhe & niedrige Absätze
  • Einlagen
  • Fußgymnastik und Fußpflege

Eine Entzündung des Fußballens z. B. bei einer Schleimbeutelentzündung   über dem sich vorwölbenden Mittelfußköpfchen können z. B. mit antientzündlichen Medikamenten wie Diclofenac ect., Umschlägen lokal mit Rivanol oder Polividon-Jod behandelt werden.

Der Effekt von Einlagen ist relativ gering, da es sich bei einem Hallux valgus um eine Veränderung der Großzehe handelt, die über viele Monate bis Jahre entstanden ist. Prinzipiell gilt, je länger der Prozess dauert, der zur Veränderung führt, desto schwieriger ist es, diesen mit konservativen Mitteln zu korrigieren. Von einer Korrektur kann in diesem Fall ohnehin nicht die Rede sein, da Einlagen maximal eine Verbesserung der Symptomatik, nicht aber der Grunderkrankungen erzielen können. Die Einlagen polstern den Hallux valgus und entlasten die restlichen Zehen, die durch die veränderten Druckverhältnisse ebenfalls betroffen sind. Sie passen gewissermaßen den Schuhinnenraum an die veränderte Anatomie an. Auch prophylaktisch können bei familiärer Prädisposition Einlagen verwendet werden. Sie sollen eine weitere Verschlechterung des Hallux valgus verhindern. 

Eine Hallux valgus - Nachtschiene, die wie ein Stück Schaumstoff zwischen der 1. und 2. Zehe angelegt wird, kann das Fortschreiten der Fehlstellung begrenzen. Ansonsten ist jedoch diese Behandlung mit der Nachtschiene eher den Patienten nach entsprechender Operation vorbehalten. Die Wirksamkeit liegt dabei im Sinne einer Prophylaxe. 

Operative Therapie bei Hallux valgus

  • Gelenkerhaltende Operationen
  • Gelenkversteifung (Arthrodese)
  • Gelenkprothese
  • Arthroplastik  (Teilentfernung des Gelenks)

Operation des Hallux Valgus

Was ist im Vorfeld einer OP zu tun?

Nachdem konservative Maßnahmen wie Einlagenversorgung, Schuhe häufig wechseln oder Fußgymnastik keine Linderung gebracht haben, wird die Operationsindikation zur Behandlung des Hallux Valgus gestellt.

Der Patient wird ausführlich über die verschiedenen operativen Möglichkeiten informiert, dazu gehört auch die Aufklärung über die Chancen und Risiken einer Operation. Individuelle Besonderheiten oder Risikofaktoren (z. B. Rheuma, Medikamente, wie regelmäßige Cortisoneinnahme, etc.) müssen mit in die Überlegungen einfließen.

In der Regel werden 1-2 Wochen vor der geplanten Operation auch die präoperativen Untersuchungen samt Blutbild und Gerinnungsstatus vom Hausarzt durchgeführt. Die Ergebnisse sind vor der OP mit dem Narkosearzt und Operateur zu besprechen.

Der generelle Ablauf einer Hallux valgus-OP

Nach entsprechender Vorbereitung wird im Operationssaal der Fuß desinfiziert und steril abgedeckt.

Die meist durchgeführte Narkoseform ist die Allgemeinnarkose, gefolgt von der Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie). Diese wird von Fachärzten der Anästhesie durchgeführt.

Ferner wird vor der Operation am Fuß selbst auch eine Lokal-bzw Regionalanäshesie zur Schmerzlinderung eingesetzt. Hierbei werden die Hautnerven am Fuß durch gezielte Injektionen mit einem Lokalanästhetikum betäubt.

Die meisten Fußoperationen werden in Blutleere durchgeführt. Dabei wird das Blut in den Venen am Bein durch Auswickeln der venösen Blutgefäße entleert anschließend über eine Druckmanschette, ähnlich wie man sie auch beim Blutdruckmessen am Oberarm verwendet, die Blutzirkulation während der Operation gestoppt, sodass die Operation ohne jeglichen Blutverlust durchgeführt werden kann. Dann erfolgt über einen circa 5-6 cm langen Hautschnitt die eigentliche Operation.

Gelenkerhaltende Operationen

1. Cheilektomie oder Exosteosenabtragung

Diese beiden Methoden, die früher relativ häufig durchgeführt wurden, haben heute keinen hohen Stellenwert mehr, zumindest wenn sie ohne weitere zusätzlichen Maßnahmen durchgeführt werden.

Dabei werden knöcherne seitliche Anbauten oder knöcherne Anbauten um das Gelenk herum entfernt, damit wieder eine bessere Gelenkbeweglichkeit entsteht. Die zugrunde liegende Ursache dieser Knochenanbauten um das Gelenk, nämlich ein zu hoher Gelenkbinnendruck mit der Entwicklung einer Arthrose, bleibt aber erhalten, sodass es sich hierbei um eine rein symptomatische Behandlungsmethode handelt, welche nur für wenige Patienten lohnenswert ist. Zu dieser Patientengruppe gehören beispielsweise ältere Patienten, die nur noch eine eingeschränkte Gehfähigkeit besitzen und bei denen es deshalb reicht, lediglich die Druckstellen an der Haut zu beheben.

2. Austin OP, Scarf OP: distale Umstellungsosteotomie

Angewandt bei leichten bis mittelschweren Hallux valgus Fehlstellungen.
Heute die am häufigsten angewandte OP Methode im Vorfuß bei Hallux valgus

BASE-WEDGE-OSTEOTOMIE

Basisnahe Umstellung am Mittelfußknochen. Bei schweren Hallux valgus Fehlstellungen oder großem Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen.
Diese Methode wird heute nur noch selten angewandt.

3. Lapidusarthrodese

Die Lapidusarthrodese ist eine operative Versteifung zwischen dem Mittelfußknochen der ersten Zehe und dem Fußwurzelknochen.

Diese Operationsmethode wird zur Korrektur von sehr großen Hallux valgus-Winkeln und gleichzeitig bestehender Vergrößerung des Winkels zwischen den ersten beiden Mittelfußknochen angewandt. Eine weitere Indikation für diese sogenannte "O-Form" ist eine sehr große Mobilität zwischen den ersten beiden Mittelfußknochen.

Mit der Lapidusarthrodese kann in diesen Fällen eine stabile Situation im Mittelfuß hergestellt werden, indem er mit verschiedenen Platten und Schrauben fixiert wird. Auch kann sie kombiniert werden mit zusätzlichen Eingriffen am vorderen Bereich des Mittelfußknochens, wie zum Beispiel einer Chevron- oder Austin-OP.

Beachtet werden sollte hierbei, dass es sich um eine anspruchsvolle OP handelt, die in aller Regel auch eine längere Heilungsdauer zur Folge hat.

Nach dem Eingriff muss der Fuß in der Regel für einige Wochen teilbelastet werden, außerdem ist in den ersten beiden Wochen das Tragen von Gehstützen erforderlich.

4. Valenti OP

Die Valenti-OP zählt zu den gelenkerhaltenden Operationen beim Hallux valgus oder Hallux rigidus. Hierbei werden großzügig V-förmige Ablagerungen und Knorpeldefekte sowohl am Mittelfußknochen als auch an der Grundgliedbasis abgetragen, sodass eine bessere Beweglichkeit der Großzehe wiederhergestellt wird.

Voraussetzung ist hierfür jedoch mindestens eine noch vorhandene Knorpelschicht der unteren Hälfte der beiden Gelenksanteile, sowie eine ausreichend große Gelenkkapsel, damit der Gelenkspielraum noch ausreichend ist.

5. Weil-OP

Bei Mittelfußbeschwerden. Umstellungs- und Verkürzungsosteotomie an den Mittelfußknochen. 

Gelenkersetztende Operationen

1. Resektionsarthroplastik, Valenti OP

Teilgelenkentfernung: hier wird am Mittelfußknochen und am Grundglied der 1. Zehe eine V-förmige Abtragung der oberen Gelenkanteile vorgenommen. Voraussetzung: die Arthrose ist noch nicht weit ausgebildet und die Gelenkkapsel noch nicht zu stark verhärtet (kontrakt).
Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Verfahren, die sich in Größe und Umfang der zu entfernenden Gelenkteile unterscheiden.
Ziel sollte es sein, die Stabilität des Gelenkes möglichst wenig einzuschränken, was nur in bestimmten Fällen bei entsprechender Weichteilsituation gelingt. Daher werden diese Verfahren heute zahlenmäßig eher selten angewandt

2. Arthrodese: Gelenkversteifung

Sofern aufgrund einer sehr weit fortgeschrittenen Arthrose (Gelenkverschleiß, Knorpelverschleiß) ein gelenkerhaltendes Verfahren nicht mehr infrage kommt, wird heute die Arthrodese (Gelenkversteifung) des Großzehengrundgelenks empfohlen.

Hierbei wird nach entsprechender Vorbereitung die große Zehe mit dem Mittelfußknochen operativ durch Einbringen von MetalIimplantaten (Platten, Schrauben, Klammern) versteift. Die Großzehe wird dabei in einer relativen Funktionsstellung, d.h. etwa 10° Abweichung nach außen und 10 ° Streckstellung, fixiert , sodass der Fuß auch ohne besondere Schuhzurichtungen im normalen Konfektionsschuh später voll belastet werden kann.

Nach Ausheilung ist der Fuß wieder voll belastbar, es bestehen kaum Einschränkungen sowohl in der Alltagsbelastung als auch beim Sport.

Die nach einer Gelenkversteifung fehlende Beweglichkeit wird teilweise durch die Mittelfußgelenke kompensiert.

3. Gelenkprothese

Sofern das Gelenk nicht mehr erhalten werden kann, bietet sich neben dem Verfahren der Versteifung (Arthrodese) auch die Implantation einer Gelenkprothese an.

Allerdings haben sich die Erwartungen, die an eine Gelenkprothese gestellt wurden, in den letzten 10-15 Jahren nicht bestätigt. Die Haltbarkeit eine Gelenkprothese, die im Bereich des Knie- oder Hüftgelenkes durchaus 15 Jahre und mehr betragen kann, konnte im Zehengelenk noch nicht erreicht werden.

Das Hauptproblem scheint in der Verankerungsform zu liegen. Da diese Prothesen einer sehr hohen Belastung ausgesetzt sind, kam es in der Vergangenheit bereits nach wenigen Jahren zu Lockerungen oder Entzündungen. 

In anderen Fällen zeigte sich nach relativ kurzer Zeit eine komplette Verminderung der Beweglichkeit, sodass hieraus kein wesentlicher Vorteil im Vergleich zu den Alternativen, etwa einer Gelenkversteifung, entsteht.

Wer sollte im Krankenhaus operiert werden?

Ein stationärer Aufenthalt ist bei Eingriffen an mehreren Mittelfußknochen, sogenannten Mehrstrahleingriffen, erforderlich.

Auch bei älteren Personen oder Patienten, die alleine zuhause wohnen und keine entsprechende Versorgung am Operationstag haben, ist die stationäre Behandlung zwingend. Zudem können bestimmte Risikofaktoren, wie zum Beispiel ein Thromboseereignis in der Vergangenheit oder allergische Reaktionen im Zusammenhang mit Narkosen, einen stationären Aufenthalt erforderlich machen.

Kann ein Hallux valgus auch ambulant operiert werden?

Hallux valgus-Operationen können auch ambulant durchgeführt werden, allerdings ist dann die Schmerzmittelversorgung nur eingeschränkt möglich.

Je nach sozialem Umfeld und häuslicher Situation (mehrere Etagen im Haus, Haustiere, Alleinstehend etc. ) wird die stationäre Therapie bevorzugt und die ambulante Operation nur bei Patienten empfohlen, bei denen dies auch als geeignet angesehen wird.

Dauer der OP

In den Händen eines versierten Fußoperateurs dauert eine Fuß-Operation heute je nach Umfang zwischen 45 Minuten und 2 Stunden.

Die Zeitangabe variiert, je nachdem wie viele zusätzliche Eingriffe neben der eigentlichen Hallux-Korrektur erforderlich sind. Häufig wird eine Hallux valgus-Operation mit weiteren Eingriffen an den Mittelfußknochen kombiniert, sofern aufgrund der vorher durchgeführten Untersuchungen eine entsprechende Notwendigkeit hierfür festgestellt wurde.

Welche Schmerzen sind nach der OP zu erwarten?

Durch die Kombination verschiedener Narkoseverfahren (Vollnarkose, Spinalanästhesie, Regionalanästhesie ) sind stärkere Schmerzen eher die Ausnahme.

Die meisten Vorfußoperationen werden in einem kurzen stationären Aufenthalt zwischen ein und drei Tagen durchgeführt. Während des stationären Aufenthaltes erfolgt eine entsprechende Schmerzmedikation unter fachlicher Kontrolle. Nach Entlassung aus der stationären Behandlung ist meistens nur noch eine geringe Schmerzmittelgabe, meistens in Tablettenform, erforderlich.

Dauer der Krankschreibung

Die Dauer der Krankschreibung ist abhängig sowohl von der durchgeführten Operationsmethode als auch vom Berufsbild des Patienten. Vereinfacht gesagt, muss man mit einer Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von circa 3-6 Wochen rechnen.

Drei Wochen postoperativ wird ein Verbandsschuh oder ein Vorfußentlastungsschuh getragen, in dieser Zeit ist Vollbelastung ist in aller Regel bei den heute durchgeführten  Operationsverfahren gegeben, d.h. es werden keine Gehstützen benötigt.

Während einer dreiwöchigen Phase nach OP sind in der Regel zwei Verbandswechsel pro Woche durchzuführen.

Lediglich bei einer Arthrodese (=Gelenkversteifung) muss der Entlastungsschuh etwa sechs Wochen getragen werden, da hier eine etwas längere Teilbelastung erforderlich ist, bis der Knochen vollständig verheilt.

Wann darf man nach der OP wieder Auto fahren?

Wer ein Automatik-Auto fährt, kann natürlich nach der Entlassung das Auto benutzen, sofern nur der linke Fuß operiert wurde.

Für alle anderen Fälle gilt auf das Autofahren so lange zu verzichten, wie der Verbandsschuh getragen wird. In aller Regel sind das etwa 3 Wochen, lediglich nach einer Arthrodese muss 6 Wochen lang auf das Auotfahren verzichtet werden.

Risiken einer Hallux Valgus OP

Neue Verfahren haben ein geringes Risiko

Mit den modernen Verfahren ist das erneute Auftreten des Hallux valgus mit einem Prozentsatz von ca. 3 % sehr gering.

Bei den  modernen OP-Verfahren sind Komplikationen oder unerwünschte Resultate eher selten und sowohl abhängig vom durchgeführten OP-Verfahren als auch vom Erfahrungsgrad des Operateurs.

Die Rate einer Pseudarthrose oder eines Hallux varus läßt sich daher nur bei Kenntnis der Methode sinnvoll angeben.

Nachdem alle Befunde vorliegen führt der Operateur mit Ihnen ein ausführliches Beratungsgespräch über den gesamten Operationsablauf und über die anschließende Nachbehandlung. Dabei werden auch die Chancen und Risiken der OP in Ihrem individuellen Fall besprochen.

OP-Risiken:

  • Thrombose
  • Infektionen
  • Rezidiv (Wiederauftreten)
  • Pseudoarthrose
  • Hallux Varus

Die richtige Auswahl des OP-Verfahrens spielt eine große Rolle

Bei richtiger Auswahl der OP-Indikation und des OP-Verfahrens sind unter kritischer Würdigung der Risiken die Ergebnisse der modernen Fußchirurgie in über 85 - 90 % der Fälle gut bis sehr gut.

Im Vordergrund der Behandlungsziele stehen neben der schmerzfreien Belastbarkeit des Fußes eine dauerhafte Lösung des Problems sowie ein gutes kosmeti- sches Ergebnis. Rückschläge und negative Behandlungsergebnisse sind bei der Anwendung moderner, gelenkerhaltender Methoden im Vergleich zu den älteren OP-Verfahren deutlich geringer.

Folgende Komplikationen können nach der OP auftreten:

  • Pseudoarthrose: Ausbleibende oder ungenügende Knochenneubildung/Durchbauung
  • Hallux Varus: Abweichung der Großzehe in die entgegengesetzte Richtung

Nachbehandlung des Hallux Valgus

Die Behandlung nach einer Hallux valgus OP erfolgt im Spezialverband und mit einem speziellen Verbandsschuh , Unterarmstützen werden nicht benötigt.

In dem Verbandsschuh ist die Belastung ohne Unterarmstützen vom ersten Tag der Operation an erlaubt und auch gewünscht. Auch das Risiko einer Thrombose wird durch die frühzeitige Vollbelastung vermindert.

Das Tragen eines normalen Schuhes ist etwa ab der 3.-4. Woche möglich, sofern der Fuß nicht allzu sehr geschwollen ist.

Bei Beachtung der ärztlichen Hinweise steht einem normalen Heilungsverlauf nichts im Wege - bald können Sie wieder ganz normal laufen.

Allgemeine Hinweise nach einer Hallux Valgus Operation:

  • Verbandswechsel am 2. oder 3. Tag (Zehen freilassen, Kompressen zwischen allen Zehen)
  • Weitere Verbandswechsel 2x/Woche
  • Lymphdrainage ab 2.  OP Tag
  • Thromboseprophylaxe (low dose Heparin) ca 10 Tage
  • Krankengymnastik ab 3. Woche
  • Verbandsschuh ca. 3 Wo tragen
  • Fäden oder sichtbare Drähte entfernen nach ca. 14 - 20 Tagen
  • Nicht sichtbare Drähte/Schrauben können belassen werden
  • Magnetfeldtherapie ab 2. Tag empfohlen (ca 2 - 3x/Wo.)
  • Fersenbelastung ab OP Tag erlaubt

Schmerztherapie nach Hallux valgus Operation:

  • Alle zwei Stunden bei Bedarf Novalgin
  • Gegebenfalls zusätzlich Tramal Tropfen
  • Gegebenfalls Diclofenac

Thromboseprophylaxe Low Dose Heparin (z. B. Clexane 20)

Belastung nach Hallux valgus Operation:

  • vom 1. Tag im Verbandsschuh für ca. drei Wochen
  • danach Belastung in einem bequem Schuh (Sandale)
  • Arbeitsfähigkeit ab dritter Woche (sitzende Tätigkeit) bzw. ab 4.-6. Woche bei stärkerer Belastung

Ob ambulant oder stationär - bei uns sind Sie gut aufgehoben:

Fußoperationen werden sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt.

In beiden Fällen erwartet Sie hochqualifiziertes Personal, welches sich um Ihre Belange kümmert. Die räumliche Ausstattung trägt durch helle freundliche Farben und einem außergewöhnlichem Service mit Menüwahl, Tel, Fernseher, Fax und Internetanschluß (wireless lan) dazu bei, dass Sie sich bei uns wohlfühlen und schnell wieder gesund werden.