Schädigung der Rotatorenmanschette

Das Schultergelenk wird hauptsächlich durch die 4 Sehnen der sogenannten Rotatorenmanschette bewegt und stabilisiert. Diese Sehnen verlaufen direkt um das Gelenk in einem engen knöchernen Kanal zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach (Akromion). Im Laufe des Lebens können unbemerkt Verschleißerscheinungen, vor allem der Supraspinatussehne auftreten. In extremen Fällen kann ein Loch in der Sehne entstehen. Die Supraspinatussehne ist besonders häufig betroffen. Die in der Regel schon längere Zeit bestehende Schädigung der Sehne wird erst nach körperlicher Überbelastung oder einem Sturz wahrgenommen. Frische Abrisse der Sehne kommen selten vor.

Beschwerden des Patienten

Die Patienten klagen meistens über Schmerzen, die bei Abspreizbewegungen des Armes ab einem bestimmten Winkel auftreten oder über nächtliche Schmerzen beim Liegen auf der Schulter. Die Schmerzen können bis in die Hand ausstrahlen und die Beweglichkeit des Armes ist häufig schmerzhaft eingeschränkt. Kraftverluste treten teilweise auch auf.

Diagnostik

In den meisten Fällen ergibt die Untersuchung und Befragung des Patienten bereits den entscheidenden Hinweis auf eine Schädigung der Rotatorenmanschette. Durch spezielle Röntgenbilder können knöcherne Veränderungen festgestellt werden, die zur Einengung des Gleitkanals für die Rotatorenmanschette führen. Eine Sonographie ist zum sicheren Nachweis einer Schädigung der Sehne in den meisten Fällen ausreichend, nur gelegentlich ist eine Kernspintomographie erforderlich.

Behandlung

Bei jüngeren Patienten und bei den seltenen frischen Verletzungen ist eine Operation zu empfehlen, um die Sehne wieder an den Knochen anzunähen und dadurch Kraft und Funktion wiederherzustellen.
Beim Patienten über 60 Jahren kann häufig durch vorübergehende Schonung, abschwellende und schmerzstillende Medikamente, lokale Eis- oder Wärmeanwendung sowie eine spezielle Krankengymnastik wieder eine schmerzfreie oder schmerzarme Situation erreicht werden. Verbleibt nach einigen Monaten konsequenter Behandlung eine inakzeptable schmerzhafte Bewegungseinschränkung, sollte durch die Operation versucht werden, die Sehne zu reparieren und den knöchernen Engpass zu beseitigen.

Operation

Zunächst eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) bei der Operation durchgeführt, um den Schaden des Gelenkes genau beurteilen zu können. Das weitere Vorgehen ist abhängig von den Verletzungen, die bei der Arthroskopie zu erkennen sind. Durch arthroskopisches oder offenes Abtragen der einengenden Knochenkanten kann der knöcherne Engpass beseitigt werden. In den meisten Fällen kann die Sehne über zwei bis drei ca. 5 mm lange Hautschnitte wieder am Knochen angenäht werden.
Gelegentlich muss ein kleiner Hautschnitt bei sehr großen Defekten der Sehne angelegt werden. In sehr seltenen Fällen muss ein Muskellappen aus der oberflächlichen Schultermuskulatur verwendet werden, um das entstandene Loch zu verschließen.

Nachbehandlung

Nach der Operation ist ein stationärer Aufenthalt von 3-5 Tagen erforderlich. Ein Abduktionskissen für 6 Wochen muss zur Einheilung der Sehne am Knochen getragen werden. Eine längerfristige Nachbehandlung nach einem festgelegten Schema, das Ihnen von Ihrem Stationsarzt ausgehändigt, muss erfolgen, um ein gutes Operationsergebnis zu erreichen. 
Eine krankengymnastische Behandlung ist für etwa 6 Monate erforderlich. Anschließend sind für weitere 3-6 Monate die erlernten Übungen selbstständig zu Hause durchzuführen, um ein gutes Endergebnis zu erzielen. Die Schmerzgrenze muss dabei respektiert werden. Abschwellende Medikamente und lokale Eisanwendungen können die Nachbehandlung unterstützen.

Ergebnisse und Risiken

Eine nahezu schmerzfreie Situation kann durch die Operation bei 80-90% erreicht werden. Erfahrungsgemäß werden Funktion und Kraft nicht wesentlich verbessert. Bei zu früher Belastung oder Ablegen des Abduktionskissens kann die angenähte Sehne wieder abreißen. Bewegungseinschränkungen und Kraftverlust des Armes können nach der Operation verbleiben. Operationsbedingte Risiken wie Infektion, Nerven- und Gefäßverletzungen sind selten.